Digitalfotografie         www.denfo.de / Dentalfotografie mit Matthias Steinhauser

Zurück zur Startseite

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Teamwork Media GmbH / Fuchstal.
[Den Originalbericht finden Sie in der Zeitschrift Teamwork Heft 3/2002]

Digitalfotografie
 
Abb.1) Die digitale Spiegelreflexkamera Olympus E-20 besitzt einen optischen Sucher

Vom Bit zum Bild

Die Digitalfotografie hat einen weltweiten Fotoboom ausgelöst. Dies geschah nicht ohne Grund. Denn in unserer schnellebigen, hektischen Zeit paßt die Digitalkamera mit der sofortigen Verfügbarkeit der Bilder hervorragend dazu. Hier ist auch der große Vorteil der Digitalfotografie zu sehen und deshalb ist dieses Kamerasystem aus dem Fotoalltag nicht mehr wegzudenken. Um es aber vorweg zu sagen. Bis auf ein paar wenige Feinheiten ist der einzige Unterschied der digitalen zur analogen Fotografie darin zu sehen, daß bei der Analogfotografie das Bild auf den Film und bei der Digitalfotografie auf den CCD-Chip projiziert wird. Dieser Bericht ersetzt nicht die fotografischen Grundlagen der klassischen Fotografie. Denn ein fundiertes Basiswissen ist eine wichtige Voraussetzung. Vielmehr soll in diesem Bericht auf die spezifischen Eigenheiten der Digitalfotografie eingegangen werden, damit Fehlbedienungen dieses Kamerasystems bereits im Vorfeld ausgeschlossen werden können.

1. Zahlentheorie:

Die nächsten beiden Abschnitte Bit & Byte sind etwas trocken. Wer mit Zahlen überhaupt nichts anfangen kann, sollte deshalb diese überspringen und beim Abschnitt Pixel wiedereinsteigen. Trotzdem empfehle ich jedem, sich diese Zahlentheorie anzuschauen. Denn erst dadurch wird das Verständnis für viele sonst sinnlos erscheinende Zahlengrößen, die in Verbindung mit der Digitalfotografie und oder der Bildbearbeitung am Computer auftauchen, vermittelt. Zum besseren Verständnis sind diese beiden Abschnitte jedoch nicht streng wissenschaftlich erklärt. Man möge mir deshalb eine verallgemeinernde Formulierung verzeihen.

Bit

Computer sind doof. Letztendlich können sie nur Zahlen addieren und subtrahieren. Da ein Computer aber nur 2 logische Zustände erkennen kann (Ja oder Nein, Low oder High, 0 oder 1) “rechnet“ der Computer im binären Zahlensystem. Denn im binären Zahlensystem kommen nur die Zahlen 0 und 1 vor. Mit Hilfe des binären Zahlensystems können aber die dezimalen Zahlen (unser bekanntes 10-er System) eindeutig dargestellt werden. Die kleinste Einheit ist das Bit. Es hat entweder den Wert 0 oder 1. Die im Computer verwendete binäre „Zahl“ hat im allgemeinen 8 Stellen. Die kleinste binäre Zahl ist 00000000, die größte ist 11111111.

Wie eine dezimale Zahl im binären Zahlensystem dargestellt wird, zeigt die folgende Tabelle.

Das binäre (bzw. duale) Zahlensystem
 
8. Bit
7. Bit
6. Bit
5. Bit
4. Bit
3. Bit
2. Bit
1. Bit
Binäre Zahl
Wert
128
Wert
64
Wert
32
Wert
16
Wert
8
Wert
4
Wert
2
Wert
1
Dezimale Zahl
Verschiedene Möglichkeiten
00000000
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
00000001
0
0
0
0
0
0
0
1
1
2
00000010
0
0
0
0
0
0
1
0
2
3
00000011
0
0
0
0
0
0
1
1
3
4
00000100
0
0
0
0
0
1
0
0
4
5
00000101
0
0
0
0
0
1
0
1
5
6
usw.
usw.
usw.
usw.
usw.
usw.
usw.
usw.
usw.
usw.
usw.
11111111
1
1
1
1
1
1
1
1
255
256

Beispiel:

Die binäre Zahl 00000011 entspricht der dezimalen Zahl 3. Denn (1x2) + (1x1) ist gleich 3.
Die binäre Zahl 00000101 entspricht der dezimalen Zahl 5. Denn (1x4) + (1x1) ist gleich 5.

Die höchstmögliche Zahl, die im binären Zahlensystem mit 8 Bit dargestellt werden kann ist 255. Zusammen mit der Zahl 0 gibt es deshalb 256 verschiedene Möglichkeiten. Durch eine entsprechende Codierung kann nun jeder Möglichkeit eine Ziffer, ein Zeichen, ein Grau- oder Farbwert (etc.) zugeordnet werden.

Im binären Zahlensystem können mit 8 Bit z.B. 256 verschiedene Zeichen, Grautöne, Farben etc. dargestellt werden.

Merke: 8 Bit sind 1 Byte ermöglicht 256 Codiermöglichkeiten.

Warum immer 8 Bit?
In den Anfangszeiten des Computers waren die Speichermöglichkeiten noch sehr gering und teuer. Außerdem konnte man mit den 256 verschiedenen Möglichkeiten sämtliche Zahlen, das gesamte Alphabet sowie alle Satz- und Sonderzeichen (z.B. Komma, Bindestrich, etc.) darstellen. Man hat sich deshalb damals darauf geeinigt, daß 8 Bit 1 Byte entspricht.

Merke: 1 Byte ist quasi die kleinste „sinnvolle“ Speichereinheit. Diese Festlegung ist bis heute geblieben.

Byte:

1 kg Gips entspricht 1000 g Gips
1 l Anmischflüssigkeit entspricht 1000 ml Anmischflüssigkeit

aber:   1 Kilobyte entspricht 1024 Byte !!!   Warum?

Auch dies hängt mit dem binären Zahlensystem zusammen. Wenn die Zahl 1 wie im binären Zahlensystem 10x verdoppelt wird erhalten wir die Zahl 1024.
 
Entstehung: 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 210
Zahl: 1 2 4 8 16 32 64 128 256 512 1024

Merke:

So. Genug der trockenen Theorie, jetzt wollen wir uns der praktischen Nutzung unseres Wissens widmen.

2. Der Pixel:

Jedes Bild setzt sich aus vielen kleinen Bildpunkten zusammen. Der Pixel ist dieser kleinste Bildpunkt. Damit ein Bild von unserem Auge scharf und in hoher Qualität (Farbumfang, Kontrastumfang und Helligkeitsumfang) empfunden wird, müssen 2 Forderungen erfüllt werden.

1. Ausreichende Auflösung:
Das Bild benötigt eine ausreichende Schärfe, d.h. wir benötigen eine genügend große Auflösung (dpi). (Anm.: dpi heißt dots per inch [zu deutsch: Bildpunkte pro inch]; 1 inch entspricht 2,54 cm). Die Auflösung ist praktisch die vorhandene Bildpunktzahl pro Flächeneinheit.  Ist die Auflösung eines Bildes geringer, wird die Qualität schlechter. Wird die Auflösung eines Bildes größer wird unnötig Speicherplatz vergeudet, da die Qualität nur unwesentlich besser wird. Hierbei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Farb- oder um ein Schwarz-Weißbild handelt.

2. Ausreichender Farbumfang:
Die einzelnen Farbpunkte müssen in einer genügend hohen Farbabstufung vorhanden sein. Damit ein Farbfoto im RGB-Modus (d.h. jeder Bildpunkt setzt sich aus den 3 additiven Grundfarben Rot, Grün und Blau zusammen) von unserem Auge in einer ausreichend hohen Qualität (Farb-, Kontrast- und Helligkeitsumfang) wahrgenommen wird, müssen diese einzelnen Farbpunkte in jeweils 256 unterschiedlichen Helligkeitswerten vorhanden sein. Da sich jeder Bildpunkt aus den 3 Farbpunkten mit je 256 Helligkeiten zusammensetzt, kann jeder einzelne Bildpunkt mit je 256 x 256 x 256 = 16,7 Millionen möglichen Farbnuancierungen dargestellt werden. Man nennt diesen Modus deshalb auch True Color (3 x 8 bit = 24 bit).

Auflösung eines Bildes:

Die Auflösung ist vom Betrachtungsmodus abhängig. Ich möchte hier nur auf die beiden wichtigsten Auflösungen eingehen. Wenn ein Bild am Computermonitor betrachtet werden soll, benötigt man eine geringere Auflösung, als wenn das Bild ausgedruckt oder vom Fotolabor ausbelichtet wird. Die Auflösung ist unabhängig davon, ob es sich um ein Schwarz-Weiß Bild oder um ein Farbbild handelt.

Bildschirmauflösung:

notwendig sind 72 dpi (entspricht ca. 28 Bildpunkte / cm); d.h. auf 1 Quadratzentimeter sind 28 x 28 = 784 Bildpunkte.

Beispiel:

Damit ein Foto der Größe 10 x 15 cm am Computerbildschirm von unserem Auge als scharf empfunden wird, benötigt es eine Auflösung von (10x28 Pixel) x (15x28 Pixel) = 117600 Pixel.

Auflösung für Druck oder Belichtung auf Fotopapier:

notwendig sind 300 dpi (entspricht ca. 118 Bildpunkte / cm); d.h. auf 1 Quadratzentimeter sind 118 x 118 = 13924 Bildpunkte.

Beispiel:

Damit ein Foto der Größe 10 x 15 cm  von unserem Auge auf dem gedruckten oder ausbelichteten Foto scharf empfunden wird, benötigt es eine Auflösung von (10x118 Pixel) x (15x118 Pixel) = 2.088.600 Pixel.

Beispiel:

Um den Begriff der Auflösung anschaulich zu erklären ist anschließend ein Foto der Größe 6 x 9 cm mit verschiedenen Auflösungen dargestellt. Eine Erklärung erübrigt sich deshalb von selbst. Das Bild mit der Auflösung von 72 dpi ist am Bildschirm absolut scharf. Beim Ausdruck oder dem Ausbelichten auf Fotopapier erscheint das Bild aber erst ab 300 dpi scharf. Eine höhere Auflösung als 300 dpi bringt aber dort auch keine höhere Qualität, dh. die Auflösung von 600 dpi ist quasi gleich scharf wie die Auflösung von 300 dpi.
 
Abb.2) Auflösung mit 5 dpi
Abb.3) Auflösung mit 10 dpi
 Abb.4) Auflösung mit 25 dpi
Abb.5) Auflösung mit 50 dpi
Abb.6) Auflösung mit 72 dpi. Dieses Bild ist am Computerbildschirm scharf. Für ein scharfes Foto (Papierbild) bräuchten wir aber mindestens 300 dpi
Abb.7) Auflösung mit 100 dpi. Dieses Bild erscheint am Monitor gleich scharf wie das Bild mit 72 dpi

Anm.: Da wir hier eine Bildschirmbetrachtung haben ist selbstverständlich die Auflösung von 72 dpi bereits vollständig scharf. Eine höhere Auflösung kann am Monitor nicht dargestellt werden, da die Bilder auf den HTML Seiten automatisch auf 72 dpi skaliert werden. Dies kann nur durch den Ausdruck oder dem Ausbelichten auf Fotopapier dargestellt werden.

Dateigröße des digitalen Bildes:

Merke: Wichtig zu wissen ist, daß die Datenmenge eines Bildes davon abhängt, ob es sich um ein Schwarz-Weiß Bild oder um ein Farbbild handelt.

Jedem Bildpunkt wird ein Grau- oder Farbwert zugeordnet. Ein Bildpunkt beim Schwarzweißbild besteht aus einem Grauwert. Ein Bildpunkt bei einem Farbbild (im RGB-Modus) setzt sich aus den 3 additiven Grundfarben Rot, Grün und Blau zusammen.

Schwarz-Weiß Bilder:
Datenmenge des unkomprimierten Bildes. Bei einem Graustufenbild (Schwarz-Weiß Foto) setzt sich jeder Bildpunkt aus 1 Byte zusammen. Es können demnach 256 verschiedene Grauwerte vom reinen Weiß bis zum satten Schwarz abgebildet werden.

Beispiel:
Ein Schwarz-Weiß Foto (300 dpi) der Größe 10 x 15 cm besitzt 2.088.600 Pixel und erfordert deshalb eine Datenmenge von 2.088.600 Byte. Dies entspricht 2040 Kilobyte oder ca. 2 Megabyte.

Farbbilder:
Bei RGB Bildern sind das pro Bildpunkt 3 x 8 Bit = 24 Bit (entspr. 3 Byte), da jeder Farbkanal (Rot, Grün und Blau) je 1 Byte benötigt. Somit kann jeder Farbkanal mit 28 = 256 Helligkeitswerten dargestellt werden. Insgesamt ergeben sich pro Bildpunkt 16,7 Millionen mögliche Farben.

Beispiel:
Ein Farbfoto (300 dpi im RGB-Modus) der Größe 10 x 15 cm besitzt die 3-fache Datenmenge eines Schwarz-Weiß Fotos und besitzt somit eine Datenmenge von ca. (3x2=) 6 Megabyte.

TIF & JPG oder die Speichergröße eines Bildes

Wie werden jetzt diese immensen Datenmengen gespeichert? Da muß es einen Trick geben, denn sonst würde auf einer Speicherkarte mit 8 MB ja gerade ein einziges Farbfoto der Größe 10 x 15 cm Platz finden. Hier gibt es auch einen Trick. Die Daten werden nämlich komprimiert abgespeichert. Dazu sind jedoch einige Hintergrundinformationen notwendig. Grundsätzlich gibt es 2 Möglichkeiten Daten zu speichern.

1. Möglichkeit:

Die Daten werden unkomprimiert abgespeichert.

Vorteil: Höhere Qualität
Nachteil: Hoher Speicherplatz

2. Möglichkeit:

Die Daten werden komprimiert abgespeichert.

Vorteil: Geringer Speicherplatz
Nachteil: Niedrigere Qualität

Es gibt unzählige Dateiformate. Ich möchte aber nur auf zwei gängige Dateiformate hinweisen.

TIF bzw. TIFF (Tagged Image File Format)
Dieses Dateiformat besitzt zwar die Möglichkeit einer („verlustfreien“) Komprimierung (LZW-Komprimierung), es wird aber oft ohne Komprimierung eingesetzt. Dadurch erhält man eine sehr hohe Qualität. Insbesondere sollte in der Bildbearbeitung, wenn ein Foto mehrmals zwischenspeichert wird, grundsätzlich ohne Komprimierung gearbeitet werden.

JPG bzw. JPEG (Joint Photographic Expert Group)

Wie oben bereits erwähnt, muß man, um handliche Datenmengen zu bekommen, diese komprimieren. Hierbei hat sich das JPEG Format als Standart durchgesetzt. Die Stärke der Komprimierung kann hier gewählt werden. Als Faustregel kann man sich merken, daß die Daten ca. um den Faktor 7 komprimiert werden können, um ein vernünftiges Qualitäts - Dateigrößen Verhältnis zu erhalten. Dies bedeutet, daß ein Farbbild (RGB Modus) der Größe 10 x 15 cm einen Speicherplatz von 6 MB geteilt durch 7 benötigt. Dies entspricht ungefähr 877 kB.

Merke: Je höher die Komprimierung, desto geringer der Speicherbedarf, aber desto schlechter die Qualität.

Übersicht des Speicherbedarfs
 
Bildgröße
Farbbilder
(RGB)
Fotodruck
[cm]
Notwendige
Bildpunkte
Bildschirm
Auflösung
[Tausend]
Speicherbedarf
unkomprimiert
(Bildschirm)
[kB]
Speicherbedarf
komprimiert
(JPEG 1:7)
(Bildschirm)
[kB]
Notwendige
Bildpunkte
Fotoabzug
Auflösung
[Millionen]
Speicherbedarf
unkomprimiert
(Fotoabzug)
[MB]
Speicherbedarf
komprimiert
(JPEG 1:7)
(Fotoabzug)
[MB]
9 x 13
89
268
38
1,6
4,7
0,7
10 x 15
115
345
49
2,0
6,0
0,9
13 x 18
179
537
77
3,1
9,3
1,3
20 x 30
459
1378
197
8,0
23,9
3,4
30 x 45
1033
3101
443
17,9
53,8
7,7
50 x 70
2679
8039
1148
46,5
139,4
19,9

3. Kameras:

Welche Kamera ist für die Dentalfotografie geeignet?

Eine Kamera sollte folgende Features besitzen:

folgende Funktionen sind nicht zwingend notwendig aber äußerst sinnvoll:
Abb.8) Das Display ermöglicht eine sofortige Bildkontrolle
Abb.9) Mit der Nahlinse erreichen wir einfach den Makrobereich

Grundsätzlich unterscheiden sich die Digitalkameras in einem einzigen Merkmal von den Analogkameras. Der Film wird durch den CCD-Chip ersetzt, der die Lichtimpulse erkennt und in speicherbare Daten umwandelt.

Die Digitalkameras  gibt es in 3 verschiedene Typen:

Sucherkameras mit Betrachtung über den herkömmlichen Sucher:
Diese Kameras sind nicht für die Dentalfotografie geeignet, da besonders im Nahbereich die Parallaxe keine vernünftige Bildausschnittswahl zuläßt.

Kameras mit der Betrachtung über das Display:
Diese Kameras sind bedingt für die Dentalfotografie zu gebrauchen. Manche kommen mit diesem Kamerasystem auch zurecht. Aber speziell in der Mundfotografie ist ein exaktes Scharfstellen z.B. auf die Eckzahnspitzen und ein exaktes Ausrichten des Bildausschnittes meiner Meinung nach nicht möglich.

Spiegelreflexkamera:
Genau wie in der Analogfotografie schlägt auch bei den Digitalkameras die Stunde der Spiegelreflexkameras. Denn nur hier kann exakt scharfgestellt und ein optimaler Bildausschnitt gewählt werden. Wichtig bei der Spiegelreflexkamera ist aber ein optischer Sucher.

Anderst als bei den Analogkameras gibt es bei den Digitalkameras 2 Möglichkeiten des Zooms bzw. der Makrofunktion.

Digitales Zoom:
Beim Digitalen Zoom wird das Bild rechnerisch vergrößert. Dadurch ist automatisch mit einem Qualitätsverlust zu rechnen. Diese Vergrößerung kann später am Computer wesentlich exakter durchgeführt werden. Bezogen auf die Analogfotografie entspricht ein Digitales Zoom der späteren Ausschnittsvergrößerung aus einem vorhandenen Negativ (bzw. Dia).

Optisches Zoom:
Wie bei der Analogkamera ist auch bei der Digitalkamera das optische Zoom das Mittel der Wahl. Denn nur hier ist gewährleistet, daß das Bild nahezu verlustfrei auf dem CCD Chip der Kamera vergrößert abgebildet wird.

Gängige Auflösungen bei Digitalkameras:
 
Auflösung
[Pixel]
Auflösung
(absolut)
Bezeichnung
rechnerisch
möglicher
Fotoabzug
[cm]
320 x 240
ca. 75 kB
¼ VGA
 ca. 2 x 2,7
640 x 480
ca. 300 kB
VGA
 ca. 4 x 5,4
1024 x 768
ca. 785 kB
XGA
 ca. 6,5 x 8,7
1280 x 960
ca. 1,3 MB
SXGA
 ca. 9 x 13
1600 x 1200
ca. 2,1 MB
UXGA
 ca. 10 x 15
2048 x 1535
ca. 3,3 MB
EXGA
 ca. 13 x 18
2560 x 1920
ca. 5 MB
z.B.: Olympus E-20
 ca. 17 x 22

Anm.: In der Praxis können durchaus größere Ausdrucke als die rein rechnerisch ermittelten Werte in ausreichend guter Qualität erreicht werden.

Bildformate (Seitenverhältnis):

Die Bildformate (Höhe und Breite) der Digitalkameras unterscheiden sich von denen der klassischen Fotografie.

Ein herkömmliches Foto hat ein Seitenverhältnis von 2 : 3. Als Beispiel möchte ich den Papierabzug von 10 x 15 cm nennen (Abb. 10). Ein Digitalbild, respektive der Computerbildschirm hat dagegen ein Seitenverhältnis von 3 : 4. Als typisches Beispiel möchte ich z.B. die jedem bekannte Bildschirmauflösung (bzw. das Seitenverhältnis) von 800 x 600 Pixel nennen (Abb. 11).
 
Abb.10) Klassisches Foto:
Seitenverhältnis von 2 : 3
Abb.11) Bildschirm bzw. Digitalkameras:
Seitenverhältnis von 3 : 4

Dies hat beim Ausbelichten der Bilder auf Fotopapier einen Einfluß. Entweder ist an den Bildern bei Ausnutzung der gesamten Bildgröße ein weißer Rand, oder aber das Bild wird leicht beschnitten. Die eleganteste Methode, diesen Umstand zu umgehen ist der, daß das Digitalbild (3:4) einfach am Computer mit einem Bildbearbeitungsprogramm auf das notwendige Seitenverhältnis (2:3) ausgeschnitten wird. So kann der Fotograf im Vorfeld den gewünschten Bildausschnitt wählen.

Brennweitenbereiche

Bei der Lektüre von Prospekten über Digitalkameras sehen wir immer wieder bei der Angabe zur Brennweite eine Äquivalenzangabe zur Kleinbildkamera. Um dies zu verstehen, ist die Kenntnis der folgenden Informationen wichtig.

Merke: Die Brennweite des Normalobjektivs entspricht ungefähr der Größe der Bilddiagonalen des Aufnahmeformats. Einen geringen Einfluß nimmt auch das Seitenverhältnis des Bildes. Deshalb ist die Brennweite der Kameras vom Filmformat bzw. von der Größe des eingebauten CCD-Chips abhängig. Unser bekanntes Kleinbildformat besitzt eine Formatdiagonale von 43,2 mm (Abb. 12). Bei einem ½ Zoll Chip ist die Formatdiagonale 8 mm (Abb. 13) und bei einem 2/3 Zoll Chip 10,7 mm lang (Abb. 14). (Anm.: 1 CCD-Chip Zoll entspricht entgegen gesundem Menschenverstand per Definition ca. 16 mm). Als Faustregel gelten als Normalbrennweite:
 
Filmformat
bzw.
Chipformat
Größe
[mm]
Länge Formatdiagonale
[mm]
Normalbrennweite
[mm]
Faktor
bezüglich
Kleinbild
Kleinbild
24 x 36
43,2
ca. 50
1,0
½ Zoll CCD Chip
ca. 4,8  x 6,4
ca. 8
ca. 9
5,5
2/3 Zoll CCD Chip
ca. 6,4 x 8,5
ca. 10,7
ca. 13
3,8

 
Abb.12) Formatdiagonale KB Film
Abb.13) Formatdiagonale ½ Zoll CCD
Abb.14) Formatdiagonale 2/3 Zoll CCD

Wir sehen also, daß sich die effektive Brennweite des Objektivs auch innerhalb der Digitalkameras in Abhängigkeit der Chip-Größe verändert.

Beispiel:

Unsere Digitalkamera besitzt einen ½ Zoll Chip und hat einen Brennweitenbereich von 7 - 70 mm. Der Umrechnungsfaktor beim ½ Zoll Chip beträgt ca. 5,5. Unsere Digitalkamera hat also bezogen auf eine KB-Kamera einen Brennweitenbereich von (5,5 x 7 mm) bis (5,5 x 70 mm). Dies entspricht einer Brennweite von 38 - 380 mm.

Weißabgleich:

Neben der sofortigen Verfügbarkeit der Daten haben die Digitalkameras einen weiteren wichtigen Vorteil. Den (automatischen) Weißabgleich. Die Analogfotografen kennen den Farbstich auf den Filmen, wenn mit Glühlampen (Orangestich) oder Leuchtstofflampen (Grünstich) gearbeitet wird. Die Digitalkameras haben entweder einen Umschalter für das entsprechende Licht (Tageslicht, Halogenlampen, Leuchtstofflampen) oder aber eine eingebaute Automatik kompensiert den Farbstich.

Der digitale Film / Speicherkarten:

Anstatt des Films wird bei der Digitalkamera ein Speicherchip verwendet. Als Standart haben sich die Smart Media Card, sowie die Compact Flash und die Microdrive durchgesetzt. Eine Karte sollte mindestens 32 MB Speicher aufweisen.

Beispiel:

Im JPEG Format und einer Kompression von (1 : 7) können auf eine Speicherkarte mit 32 MB ca. 37 Fotos der Größe 10 x 15 cm abgespeichert werden. (32 MB geteilt durch 6/7 MB sind 37 Foto´s.)

Datenaustausch

Der Datenaustausch der Bilder via e-mail ermöglicht eine perfekte Zusammenarbeit zwischen der zahnärztlichen Praxis und dem Labor. Denn ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Dadurch wird die Kommunikation wesentlich erleichtert. Teamwork par excellence. Beim Datenversand verwenden wir selbstverständlich das komprimierte JPG-Format.

Ausdrucke:

Auf die Ausdruckmöglichkeiten möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen. Zur Information sind die 4 gängigen Möglichkeiten dargestellt.

Tintenstrahldrucker:
Gute Qualität
Keine Lichtechtheit (Farben verblassen)

Thermosublimationsdrucker:
Sehr gute Qualität
Teuer

Ausbelichtung auf Fotopapier:
Sehr gute Fotoqualität
Günstiger Preis

Professioneller Farbdruck: (z.B. Fotodruck bei einem Fachbericht)
Sehr gute Qualität und Farbechtheit
lohnt sich nur bei hoher Auflage

4. Analog & Digital im Vergleich

Einen großen Vorteil der Digitalfotografie möchte ich an dieser Stelle ebenfalls einfließen lassen. Die Bilder können als Daten weitergegeben werden und das Original bleibt sicher verwahrt beim Fotografen. Mir und auch etlichen Kollegen ist es schon passiert, daß hochwertige Farbdias, die nur als Unikate vorlagen beim Postversand verlorengingen oder beim Weiterverarbeiter (z.B. im Fotolabor) durch unsachgemäße Behandlung unbrauchbar gemacht wurden. Diese Gefahr kann bei der Analogfotografie zwar durch Scannen oder der Erstellung von Diaduplikaten ausgeschlossen werden, ist aber durch einen hohen Zeit- und Kostenfaktor recht umständlich. Die digitalen Daten können dagegen verlustlos kopiert und einfach nochmals verschickt werden.

In der folgenden Tabelle sind die wichtigsten Unterschiede der beiden Kamerasysteme aufgeführt.
 
Kriterium
Analogkamera
Digitalkamera
Anschaffungskosten
mittel
hoch
Werterhalt
hoch
niedrig
Verfügbarkeit der Daten
spät
sofort
Lichtempfindlichkeit
schlechter
besser
Qualität (Auflösung) 
höher 
niedriger
Zubehör
vielfältig (preisgünstig) 
geringer (teuer)
Kreatives Arbeiten (Schärfentiefe)
besser 
schlechter
Stromverbrauch
niedrig 
hoch
Manuelles Eingreifen
ausgeglichen 
ausgeglichen 
Weißabgleich
umständlich
einfach
Papierabzüge / Ausdrucke
kostengünstig 
teurer
Projektionsmöglichkeit
Projektor (billig)
Beamer (teuer)
Extremes Makro
gut möglich 
erschwert möglich
Kontrollmöglichkeit
spät 
sofort
Empfohlen für 
Höchste Qualität bei großformatigen Papierabzügen
Hobby und Urlaub
Dokumentation
Fachberichte
bei Zeitdruck

Tabelle: (Vorteil - Nachteil: Analogkamera - Digitalkamera)

Die Frage: Was ist besser? Analogkamera oder Digitalkamera? kann nicht mit „Ent“ oder „Weder“ beantwortet werden. Es kommt darauf an, wofür man das entsprechende System einsetzt.

Wem ist das nicht schon passiert? Man erstellt zur Dokumentation einer gelungenen Arbeit eine Fotografie. Beim Entwickeln stellt man fest, daß die Aufnahme aus irgendwelchen Gründen nicht zu gebrauchen ist. Noch schlimmer ist es, wenn man für einen Fachbericht ein Einzelnes, wichtiges Bild aus einem Arbeitsablauf nicht verwenden kann. Die Problematik hier ist, daß die Aufnahme nicht (oder nur mit sehr hohem zeitlichen Aufwand) wiederholt werden kann, da die Modellation inzwischen gegossen oder die geschichtete Keramik bereits gebrannt wurde. Hier ist die digitale Fotografie durch die sofortige Bildkontrolle bzw. der schnellen Verfügbarkeit der Daten nicht mehr wegzudenken. Auch die Qualität ist bei der hier notwendigen Bildgröße völlig ausreichend. Dennoch hat die analoge Fotografie Ihren Stellenwert auch heute noch. Sobald Sie nämlich für Ihren Empfangsbereich oder dem Patientenzimmer eine Ihrer Fotografien als Poster vergrößern wollen, werden Sie mit der Digitalfotografie scheitern. Außer, daß Sie eine extrem teure Digitalausrüstung besitzen, welche sich aber momentan nur für den professionell arbeitenden Fotodesigner oder Fotografen rechnet. Denn mit einer deutlich preiswerteren analogen Spiegelreflexkamera erhalten sie auch heute noch eine bessere Qualität als mit einer Digitalkamera. Behalten Sie deshalb Ihre gute alte Spiegelreflex und setzen Sie die beiden Systeme je nach Verwendungszweck gezielt ein.
 
Abb.15) Analog oder Digital? Jedes System verdient seine Berechtigung

5. Bildbeispiele:

Mit den folgenden Beispielaufnahmen will ich die besonderen Möglichkeiten der Digitalfotografie, respektive der digitalen Bildbearbeitung aufzeigen.

Farbbild / SW Bild

Neben der Farbe spielt auch die Form der Zähne in der Zahntechnik eine wichtige Rolle. Was liegt also näher, als eine digitales Farbbild mit einem einzigen Mausklick in eine Schwarzweiß Fotografie umzuwandeln. Durch den Verlust der Farbinformation konzentrieren wir uns automatisch auf die Form und Stellung der Zähne. Ob als Arbeitsvorlage oder als Blickfang. Eine Schwarzweiß Aufnahme besitzt immer einen besonderen Reiz. Diese und auch die folgenden Bildbearbeitungen sind selbstverständlich auch beim digitalisierten Analogbild möglich, aber mit deutlich höherem Aufwand.
 
Abb.16) Ein Farbbild überflutet den Betrachter mit Information
Abb.27) Durch die fehlende Farbinformation tritt die Form und Stellung der Zähne in den Vordergrund

Effekte

Andy Warhol läßt grüßen. Die digitale Bildbearbeitung ermöglicht uns bisher ungeahnte kreative Möglichkeiten. Aber lassen wir die Bilder für sich selbst sprechen.
 
Abb.18) Lippenstift vergessen - kein Problem
Abb.19) Die Farben können nach Belieben ausgetauscht werden
Abb.20) Durch digitale Filter wird ein plakativer Eindruck erzeugt

Wachs - Keramikzahn

Als Einleitungsbild für das Deckblatt der Patientenbroschüre. Der Wachs- und Keramikzahn von Wolfram Schultis verfehlt seine Wirkung nicht.
 
Abb.21) Wachs oder Keramik. Sehen Sie den Unterschied?

Hintergrund ändern

Hier wurde aus Zeitmangel ein Modell aus der Hand fotografiert. Als Beleuchtung diente das natürliche Tageslicht, das seitlich durch ein Fenster flutete. Dadurch ergab sich eine leichte Abschattung in der rechten Bildhälfte. Der Hintergrund war ebenfalls leicht strukturiert. Mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogrammes können wir so eine Aufnahme deutlich verbessern. Wir schneiden das Modell einfach aus und setzen es auf einen neuen Hintergrund auf. So können vermeintlich mißlungene Aufnahmen wieder aufgepeppt werden.
 
Abb.22) Hier war zum Aufnahmezeitpunkt kein geeigneter Hintergrund zur Hand
Abb.23) Der Hintergrund wird einfach ausgetauscht

Ammonit

Bei gängigen Bildformaten steht die Digitalfotografie in Ihrer Schärfe und Brillianz dem Analogbild in keiner Weise mehr nach.
 
Abb.24) Stilleben

Naturaufnahmen

Naturaufnahmen sind ebenfalls ein willkommenes Arbeitsgebiet der Digitalfotografie. Dadurch, daß eine Digitalkamera mit relativ wenig Licht auskommt, können durch den Wind bewegte Blüten und Blätter, oder sogar ein fliegendes oder krabbelndes Insekt meist in einer recht guten Qualität abgelichtet werden. Ein Stativ erübrigt sich fast immer.
 
Abb.25) Krokusse im März 2002
Abb.26) Dank einer hohen Lichtempfindlichkeit gelingen solche Aufnahmen ohne Stativ

Architektur

Die digitale Fotografie bzw. die digitale Bildverarbeitung wird auch in der Architekturfotografie zunehmend eingesetzt. In Abb.27) sind die stürzenden Linien durchaus erwünscht, da sie zu einer Dramatik im Bild führen. Dadurch wirkt die Fotografie der Kreissparkasse in Weingarten spannungsgeladen. Dagegen wirken die stürzenden Linien an den Türmen der Basilika in Weingarten störend (Abb.28). Ein paar wenige Mausklicks weiter ist dieser Umstand aber schnell behoben (Abb.29).
 
Abb.27) Stürzende Linien erwünscht
Abb.28) Stürzende Linien unerwünscht
Abb.29) Ein paar Mausklicks weiter

Impressionen

Abschließend möchte ich noch ein paar wenige Mundaufnahmen zeigen. Sie entstanden im Makromodus und einer Vorsatzlinse (Abb.9). Als Beleuchtung wurde ein Zangenblitz eingesetzt. Auch hier spielt die Digitalfotografie durch die sofortige Verfügbarkeit der Bilder wieder Ihre Trümpfe aus. So können mangelhafte Aufnahmen augenblicklich wiederholt werden, bevor die „Patientin“ wieder unsere Praxis oder das Labor verläßt.
 
Abb.30) Ästhetik
Abb.31) Ausstrahlung
Abb.32) Lachen
Abb.33) Jugend

6. Schluß

Ich hoffe, daß ich Ihnen durch meinen kleinen Beitrag die grundlegenden Gesetzmäßigkeiten, Eigenheiten und Vorteile der Digitalfotografie näherbringen konnte. Vergessen Sie aber bitte nicht, daß die Gesetzmäßigkeiten der Fotografie sowohl bei der Analogfotografie (also mit Filmmaterial), als auch mit der Digitalfotografie gleichermaßen gelten. Es ist wie bei einem Auto. Ob hier ein Benzin- oder Dieselmotor, ein Elektro- oder Gasmotor oder zuletzt der Antrieb über eine Brennstoffzelle gewählt wird bleibt für die Fahrphysik irrelevant. Wer in der Digitalfotografie professionelle Ergebnisse erzielen will, muß auch die Grundlagen der klassischen Fotografie beherrschen. Die Beispielbilder entstanden alle (bis auf die Aufnahmen der Kamera selbst) mit der digitalen Spiegelreflex Olympus E-20. Diese Kamera besitzt (zusammen mit Ihrer Schwester der E-10) ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Einer der größten Vorteile ist in dem optischen Sucher zu sehen, den ich als eingeschworener Analogfotograf nicht missen möchte.  Durch die enormen Vorteile einer Digitalkamera kann dieses Kamerasystem für den Einsatz in der zahntechnischen und zahnmedizinischen Dokumentation sowie der Bilderstellung für Fachberichte uneingeschränkt empfohlen werden.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß.