Schnittbilder von Zähnen
Einleitung
Im letzten Bericht befaßten wir uns mit der Makrofotografie. Heute wollen wir uns mit der Fotografie von natürlichen und keramisch gebrannten Zähnen befassen. Diese werden als Ganzes sowie als Schnittpräparat im Auflicht und Durchlicht fotografiert.
Lichtarten
Auf die Farbtemperaturen, die Lichtfarben und die Kompensation dieser Farbverschiebungen mittels Filtern der verschiedenen Lichtquellen (Tageslicht, Kunstlicht) möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen. Dazu verweise ich auf den Fachbericht „Filter und Licht“. Die Lichtführung dieser Strahler soll jedoch genauer erklärt werden.
Lichtführung
Die hier angewandten Lichtführungen können grob unterteilt werden in Auflicht, Durchlicht, „Eigenstrahlung“ und deren Kombinationen .
Auflicht
Fotografien im Auflicht gehören zu den Standartbeleuchtungssituationen in der Fotografie. Hierbei wird die Oberfläche des fotografierten Objekts angestrahlt. Das Objekt remittiert dieses Licht und kann somit fotografiert werden. Um die Farbbrillianz der Zähne zu erhöhen wird hier ein schwarzer Hintergrund empfohlen. Damit der Zahn „freigestellt“ wird müssen wir ihn von der Unterlage lösen. Dazu befestigen wir das Objekt mittels Klebewachs an einem starren Draht. Diesen Draht stecken wir durch den Hintergrundkarton, sodaß der Zahn jetzt frei im Raum schwebt. Beachtet werden muß, daß der Draht vom Objekt verdeckt wird (Anm.: Blickrichtung aus dem Kamerastandpunkt) und somit nicht auf dem Foto abgebildet wird. Eine Gegenlicht- oder Streulichtblende ist nicht unbedingt erforderlich, schadet aber nie. Beleuchtet wird der Zahn von 2 Lichtquellen, die ungefähr im 45° Winkel das Objekt anstrahlen. Als Belichtungsmessung hat sich hier die Lichtmessung bewährt. Die schematische Darstellung der Auflichtsituation ist in Abb. 1) dargestellt und in Abb. 2) sehen wir eine reales Übersichtsfoto wie bei den folgenden Aufnahmen der Aufbau gestaltet wurde. In der Tabelle 1 sind die Hilfsmittel aufgeführt, die für die Auflichtaufnahmen verwendet wurden.
Hilfsmittel für Auflichtaufnahmen
| Abb.1) Der typische Aufbau einer Auflichtsituation ist hier schematisch dargestellt | Abb.2) Die Auflichtsituation gehört zu den Standartaufbauten des Fotografen |
Durchlicht
Bei
Durchlicht wird das fotografierte Objekt von (schräg) hinten durchleuchtet.
Das durchleuchtete Objekt muß demzufolge transparent oder transluzent
sein. Wichtig ist, daß dabei die Lichtquelle nicht direkt in die
Kamera strahlt. Deshalb wird in aller Regel die Lampe außerhalb des
Objektwinkels vom verwendeten Objektiv aufgestellt. Auf eine Gegenlicht-
oder Streulichtblende (Abb. 6) verzichtet der Profi deshalb in dieser Aufnahmesituation
nie. Auch hier ist das Ausrichten des Zahnes im „Raum“ mittels eines Drahtes
unbedingt erforderlich, um überhaupt das Licht von hinten durch den
Zahn fluten zu lassen. Außerdem ist es hilfreich, wenn durch schwarze
Fotokartons oder wie hier durch 2 braune Schachteln störendes Gegenlicht
vom Objektiv ferngehalten wird. Bei Durchlichtaufnahmen wird im allgemeinen
die innere Struktur des fotografierten Gegenstandes sichtbar. Die Belichtungsmessung
ist hier etwas kritisch. Eine vernünftige Lichtmessung ist hier nicht
möglich, da das Ergebnis von der Transparenz oder der Transluzenz
des Objekts abhängt. Eine Objektmessung ergibt nur bei der Spotmessung
oder der mittenbetonten Integralmessung vernünftige Ergebnisse. Am
besten wird hier eine Belichtungsreihe gemacht und später das beste
Ergebnis ausgewählt. Die schematische Darstellung der Auflichtsituation
ist in Abb. 3) dargestellt und in Abb. 4) sehen wir wiederum eine reales
Übersichtsfoto wie bei den folgenden Aufnahmen der Aufbau gestaltet
wurde. Die Tabelle 2 zeigt die Hilfsmittel, die für die Durchlichtaufnahmen
verwendet wurden.
Hilfsmittel für Durchlichtaufnahmen
| Abb.3) Die Durchlichtaufnahme ist auf diesem Schema klar erkennbar | Abb.4) Der reale Aufbau für eine Durchlichtaufnahme kann beispielsweise wie hier gestaltet werden |
Die
Befestigung des fotografierten Zahnes mit Hilfe eines Haltedrahtes und
einem Tropfen Klebewachs am Hintergrundkarton zeigt das folgende Foto.
Zum besseren Erkennen des Haltedrahtes wurde die Aufnahme bewußt
überbelichtet.
| Abb.5) Die Befestigung des Zahnes mittels Klebewachs am Haltedraht ist hier sehr gut zu erkennen | Abb 6) In Amateurkreisen oft als überflüssig angesehen, ist die Gegenlicht- oder auch Streulichtblende eines der wichtigsten Zubehörteile des Profis |
Speziell bei Durchlichtsituationen sollte auf keinen Fall auf eine Gegenlicht- oder Streulichtblende verzichtet werden. Zu beachten ist hier, daß diese Blende auf die Brennweite des verwendeten Objektivs abgestimmt ist. Bei zu „weiter“ Gegenlichtblende ist der Erfolg unzureichend und bei zu „enger“ Blende erhalten wir Abschattungen (Vignettierungen) im Randbereich.
„Eigenstrahlung“:
Als Beispiel der Eigenstrahlung soll hier ein „selbstleuchtender natürlicher Zahn“ gezeigt werden. Strenggenommen ist dies keine Eigenstrahlung, sondern ein Durchlicht, das jedoch aus dem Innern des Körpers kommt. Dazu wird ein natürlicher Zahn (Anm.: Es kann sich selbstverständlich auch um einen Kunststoff- oder einen keramisch gebrannten Zahn handeln) mit einer Fräse ausgehöhlt. Anschließend wird eine weiße Leuchtdiode in diesen Hohlraum eingesteckt. Nach dem Anlegen einer elektrischen Spannung leuchtet die LED auf und durchflutet den Zahn von Innen. Die beiden Zuführungsdrähte dienen wie in den obigen Beispielen als Haltedraht. Da diese Drähte nach hinten wegführen, sind sie auf dem Foto nicht zu sehen. Hier handelt es sich um eine erste Testaufnahme. Für professionellere Ergebnisse läßt sich jedoch der Zahn gezielter ausschleifen (gleichmäßigere Wandstärke) sowie der Farbstich der weißen LED durch Kompensation mittels eines CC-Filters vollständig eliminieren. Die folgende Tabelle 3 führt die verwendeten Hilfsmittel auf.
Hilfsmittel für „Eigenstrahlung“
| Abb. 7) Eine weiße Leuchtdiode (LED) ist eine preisgünstige und vor allem winzige Lichtquelle, die an den unzugänglichsten Stellen eingesetzt werden kann | Abb.8) Hier wird ein aufgebohrter natürlicher Zahn gezeigt, der für die Aufnahme der weißen LED vorbereitet wurde |
Die folgenden Beispielsaufnahmen wurden alle mit den gezeigten Aufbauten erstellt. Sie sollen dem Dentalfotografen als Hilfestellung dienen und zu gelungenen Standartaufnahmen verhelfen. Durch eigenes Probieren lassen sich weitere ausgefallene Ergebnisse erzielen.
Natürlicher Zahn im Auflicht und im Durchlicht
Beschreibung:
Hier
wurde ein natürlicher Zahn im Auflicht und Durchlicht fotografiert.
Da der Zahn ungebleicht ist, besitzt er noch einen Teil seiner typischen
Eigenfarbe. Im Auflicht sieht er beinahe makellos aus. Die Beschädigung
durch die Extraktionszange im Halsbereich ist jedoch auf der Durchlichtaufnahme
zu erkennen.
| Abb.9) Ein frisch extrahierter Zahn besitzt im Auflicht noch seine typische Eigenfarbe | Abb.10) Im Durchlicht erscheint der Dentinkern bei einem natürlichen Zahn oft dunkler |
Keramikzahn im Auflicht und im Durchlicht
Beschreibung:
Hier
handelt es sich um einen vollständigen keramisch gebrannten Zahn,
der von Wolfram Schultis aus Karlsruhe dem Vorbild der Natur nachempfunden
wurde. Besonders beeindruckend ist hier, wie gleichmäßig der
Zahn bei der Durchlichtaufnahme vom Licht durchflutet wird. Er strahlt
dabei förmlich Wärme aus.
| Abb11) Der Keramikzahn verliert auch nach Jahren nicht seine leuchtende kräftige Farbe | Abb12) Die Keramik ermöglicht im Durchlicht eine Durchflutung des gesamten Zahnes mit Licht |
Geschnittener natürlicher Zahn im Auflicht und im Durchlicht
Beschreibung:
Ein
natürlicher Zahn besitzt eine Markhöhle sowie feine Wurzelkanäle.
Was liegt also näher, als daß man diese für eine Fotografie
einfach freilegt. Die erstklassige Erstellung des Schnittpräparates
entstammt übrigens den Händen von Herrn Dr. Giselher Wall aus
Bad Kissingen, der mir mit Rat und Tat zur Seite stand. Danke.
| Abb.13) Der Schichtaufbau des natürlichen Zahnes ist im Auflicht klar erkennbar | Abb.14) Diese Durchlichtaufnahme eines geschnittenen natürlichen Zahnes vermittelt einen geheimnisvollen Eindruck |
Keramischer Zahn von Okklusal im Auflicht
Beschreibung:
Hier
wurden 2 Kauflächen von keramisch gebrannten Zähnen im Auflicht
fotografiert. Das Schöne an den keramisch gebrannten Zähnen ist,
daß diese Ihr brilliantes Farbenspiel nicht wie ein natürlicher
Zahn durch Alterung verlieren.
| Abb.15) Die Kaufläche des Zahnen aus Abb.11) und Abb.12) | Abb.16) Auch der Oberkiefermolar entstammt dem Labor von Wolfram Schultis |
Natürlicher Zahn von Okklusal im Auflicht sowie mit „Eigenstrahlung“
Beschreibung:
In
diesem Beispiel wurde die Kaufläche eines natürlichen Zahnes
(vgl. Abb. 8) einmal im Auflicht sowie mit „Eigenstrahlung“ fotografiert.
Leider verlieren diese Objekte durch das Bleichen Ihre natürliche
Eigenfärbung. Das vorgestellte Foto soll den einzelnen für weitere
Versuche anregen. Dem eigenen Experimentieren sind keine Grenzen gesetzt.
| Abb.17) Ein gebleichter Zahn wirkt unnatürlich und kalt | Abb.18) Es sieht fast so aus, als brenne im Innern des Zahnes ein "Feuer" |
Impressionen
Beschreibung:
Die
größte Schwierigkeit ist die Beschaffung von makellosen Objekten.
In diesem Falle arbeitete ich mit den Studienvorlagen von ZTM Ralf Linde
aus Meckenbeuren (Abb. 19 bis Abb. 22), die er mir freundlicherweise zur
Verfügung gestellt hat. Die Weißfärbung entstand durch
die Bleichwirkung des Wasserstoffperoxids bei der Desinfektion.
| Abb.19) Im Auflicht erscheint die Oberkiefer Front kalt | Abb.20) Bei der Durchlichtaufnahme erhält man einen deutlich wärmeren Lichteindruck |
| Abb.21) In Kombination von Auflicht und Durchlicht bekommt das Arrangement plötzlich einen elfenbeinernen Charakter |
|
Abb.22)
Durch unterschiedlichen Einfluß der Strahlungsintensität von
Auflicht und Durchlicht kann der Lichteindruck stufenlos verändert
werden
|
Schlußwort
Ich hoffe, daß ich Ihnen mit meinen Ausführungen ein klein wenig weiterhelfen konnte. Dem ambitionierten Dental- und Werbefotografen möchte ich an dieser Stelle das Studium weiterführender Fachliteratur sowie den Besuch von Fachkursen und Workshops empfehlen. Gerne dürfen Sie dazu auf mich zukommen.
Literatur:
John
Hedgecoe / Foto Handbuch / Hallwag 1994
Jost
J. Marchesi / Professionelle Beleuchtungstechnik / Verlag Photographie
1994
Martin
Sigrist / Erwin Stegmann / Die neue Makro Fotoschule / Verlag Photographie
Michael
Nischke / Blitz Fotoschule / Verlag Photographie